Was wäre die Welt nur ohne…
…einen echt guten Kaffee. Ich weiß, ich weiß. Weder ist Kaffee ein wirklich hübsches Gebräu, noch schmeckt er besonders gut. Außerdem muss er ständig aufs Neue nach den eigenen Ewartungen an eine perfekte Bürodroge zusammengemixt werden. Wie lästig. Ich möchte garnicht erst davon anfangen, dass eine unverändert herumstehende Tasse Kaffee von Minute zu Minute an Unappetitlichkeit zunimmt. Ohne regelmäßiges Umrühren hat sich die Mischung am Ende des Tages in unterschiedliche Zonen auseinander diffundiert:
Beginnend mit einer äußeren ganz blassen, fast unscheinbaren Schicht ohne nennenswerten Eigengeschmack, die sich aber immer irgendwie runterwürgen lässt. Häufig setzen sich hier Reste ab, die sich in anderen Schichten nicht mehr wohl gefühlt haben. Die breite Mitte der Tasse zeigt sich weitesgehend homogen mit ein Paar wenigen umherschwimmenden und überraschend geschmackvollen Kaffebröckchen als Highlights. Sie sind es, an denen ein aufmerksamer Mensch erkennt, was er da eigentlich gerade alles schluckt. Wem`s nicht schmeckt, kommt es beim nächsten Einkauf nicht mehr in den Wagen. Alle Anderen, also auch die geschmacksimmunen Bürgerinnen und Bürger, greifen vermutlich auch in Zukunft wieder wahllos zu.
Ganz unten angekommen mieft einem die völlig ungenießbare, dunkelbraune Masse entgegen. Ein (je nach Sorte und Röstgrad) unterschiedlich schmieriger Einheitsbrei aus Bohnenresten und sonstigen Abfallprodukten der Kaffeeherstellung. Ihr strenges, eigenwilliges und mit dem Rest der Tasse unvereinbares Aroma sollte selbst dem hartneckigsten Schläfer bitter aufstoßen. „Ach was solls“, denkt der sich aber: „Vermutlich hab` ich nur wieder aus Versehen eine kaputte Packung erwischt.“
Am vergangenen Sonntag haben sich nur magere 43,3% aller wahlberechtigten Deutschen an der Europawahl beteiligt. Wenn sich da noch Einer über eine schlechte Mischung beschwert, habe ich meinen Kaffee endgültig auf!
(Till Seidenspinner)
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