Yasminda Khadra – Die Sirenen von Bagdad 10/08
Yasmina Khadra legt einen packenden Polit-Thriller über die Logik des Terrorismus vor. In der Folge einer mitleidlosen Razzia des US-Militärs wird ein junger unbeteiligter Mann aus dem Irak tief gedemütigt und muss seine Familie und sein Heimatdorf verlassen. Er beschließt, sein Leben der Aufgabe zu widmen, den Westen tödlich zu treffen. Plastisch und eindrucksvoll beschrieben versetzt der Roman den Leser direkt an die Front des Irak-Konfliktes.
Leseprobe:
“In den Abendnachrichten war von einer amerikanischen Drohne die Rede, die verdächtige Signale in Höhe des Festsaals aufgezeichnet hätte. Genauere Angaben machte man nicht. Es wurde lediglich erwähnt, dass kurz zuvor terroristische Aktivitäten aus dem Sektor gemeldet worden wären, eine Unterstellung, gegen die die Anwohner sich jedoch entschieden verwahrten. Die amerikanische Führungsriege versuchte dennoch weiterhin, sich zu rechtfertigen, indem sie zusätzliche Sicherheitsargumente vorbrachte, bis sie es irgendwann leid war, sich nur lächerlich zu machen, das Versehen am Ende bedauerte und den Familien der Opfer ihre Entschuldigung aussprach. Das war alles.
Eine Meldung mehr, die die Runde um den Planeten machen würde, um alsbald in Vergessenheit zu geraten, da die nächsten Schreckenstaten nicht lange auf sich warten lassen würden. Aber in Kafr Karam hatte der Zorn das Kriegsbeil ausgegraben: Sechs junge Männer baten die Gläubigen, für sie zu beten. Sie versprachen, ihre Toten zu rächen und erst heimzukommen, wenn der letzte boy in einem Plastiksack den Rückflug angetreten hätte. Nach den üblichen Umarmungen verschwanden die Krieger in der Nacht. Einige Wochen später wurde der Distriktskommissar an Bord seines Dienstfahrzeugs getötet. Und noch am selben Tag flog ein Panzer über einer selbstgebastelten Mine in die Luft. Kafr Karam hatte seine ersten Schahids zu beklagen – sechs auf einen Streich. Sie waren von einer Patrouille überrascht worden, während sie sich zum Angriff auf einen Checkpoint rüsteten. Im Dorf erreichte die Spannung den Siedepunkt. Jeden Tag verschwanden spurlos ein paar junge Männer mehr.”
Fazit:
Wer nicht im Irak war weiß nicht, wie es tatsächlich war, als in den Straßen der Krieg begann. Dank dieses Buches, aus der Sicht einesBeteiligten kann man es begreifen, fühlen, fast riechen. Yasmina Khadra erzählt eine faszinierende Geschichte eins Irakers, die jeden Leser sofort fesselt.
Über den Autor:
Yasminda Khadra
* 1955 in Kenadsa, Algerien
Algerischer Schriftsteller, der im Exil in Frankreich lebt.
Yasmina Khadra ist ein Pseudonym für Mohammed Moulessehoul. Er wurde von seinem Vater mit neun Jahren in eine Militärschule geschickt. Nur durchs Schreiben konnte er als Jugendlicher seine Freiheit behalten.
Weitere Bücher des Autors:
L´écrivain (Autobiografie, FRA, 2001)
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