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Birgit Vanderbeke – Sweet Sexteen 10/08

Oleh: Till
1. Oktober 2008

Seit einigen Monaten pflegen wir nun schon diese Tradition und stellen euch jeweils zwei unserer Meinung nach lesenswerte Bücher vor. Bisher gab es keine Beschwerden -  also machen wir mit dieser  Art der intellektuellen Beschallung ganz dreist und sehr selbstbewusst auch zum Herbstbeginn weiter.  Wir beginnen mit Birgit Vanderbeke und ihrem „Sweet Sixteen“. Für alle Englisch-legasteniker: Süüüüße Sechzehn!

Leseprobe:
“Der erste, der verschwand, war Markus Heuser, genannt Meks. Die Angelegenheit wurde daher später offiziell als »das Heuser-Phänomen« bekannt. Andere sprachen von »Meksomanie«. Seinerzeit war sie nichts weiter als eine Meldung, die scheinbar über den Lahn-Dill-Kreis nicht hinauskam. »Sechzehnjähriger verschwand am Geburtstag spurlos.« Was war passiert? Der Junge war am Morgen aufgestanden, die Eltern hatten ihm gratuliert, der Tisch war gedeckt gewesen, die traditionelle Gummibärchentorte aus Meks ersten Jahren hatte inzwischen eine Menge mehr Kerzen drauf, Meks verzog wie immer in den letzten Jahren das Gesicht, als er die Torte sah, und weder seine Mutter noch sein Vater hätten sagen können, ob es ein gerührt- ironisches oder ein leise verächtliches Lächeln war, womit Meks auf den Tisch, die Torte und die Geschenke reagierte und überhaupt eigentlich auf fast alles seit einiger Zeit.

Meks pustete die Kerzen aus, wischte sich die Elternküsse unauffällig von der Backe, aß ein Stück Buttercremetorte, packte die CD aus und sagte, wär nicht nötig gewesen, aber geil.

Seine Mutter sagte, aber Markus. Sein Vater sagte, dafür sind wir inzwischen doch etwas zu alt. Ist ja gut, sagte Meks, ich muss dann. Mathe. Er nahm seinen Rucksack und verschwand. Kann ein bisschen später werden, war das letzte, was seine Eltern von ihm hörten. Ungefähr das berichteten sie, als sie sein Verschwinden bei der Polizei meldeten. Da hatten sie bereits in Erfahrung gebracht, dass Meks in der Schule gewesen war. Im Bus nach Hause hatte ihn niemand gesehen. Bei Freunden war er auch nicht gewesen. Die Mutter hatte am Geburtstagsabend schließlich die Polizei angerufen und sich angehört, dass das schon mal vorkommen könne.”

Fazit:
Nicht nur für Eltern ist dieser Roman zu empfehlen. Birgit Vanderbeke versteht es die Abtauchstimmung vieler Kids, die aus den Konsum-Ekstasen der Jahrtausendwende mit seelischen Bulimiesymptomen erwachen einzufangen und macht Mut. Kein Stoff für Zwischendurch aber soannend.

Über den Autor:
Birgit Vanderbeke
* 1959 in Dahme, Deutschland

Vanderbeke wuchs nach der Übersiedlung ihrer Familie in den westlichen Teil Deutschlands im Jahre 1961 in Frankfurt am Main auf, wo sie später auch Jura, Germanistik und Romanistik studierte. Seit 1993 lebt sie als freie Autorin in ihrer neuen Wahlheimat in Südfrankreich.

Weitere Bücher des Autors:
Ich will meinen Mord (1995)
Abgehängt (2001)

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