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Was Werkstätte mit Socken zu tun haben 09/08

Oleh: Michael
3. September 2008

Wer meine Kolumnen bisher verfolgt hat weiß, dass ich mich zu der Gruppe der eher bewegungsresistenten Menschen zähle. Umso größer ist mein Respekt vor Jamaikanischen Sprintwundern, die 100 Meter Tartanbahn schneller zurücklegen, als ich Fahrradfahren kann. Einen ebenso großen Respekt habe ich aber auch vor der, natürlich niemals einwandfrei funktionierenden, Technik meines Autos. Gibt es ein Problem, klappert es dort, knarzt es da, blinkt was, blinkt hier etwas nicht, wird die Notrufnummer der Werkstatt meines Vertrauens angefunkt. Es gibt eben Fertigkeiten, die nicht die meinigen sind. Etwa die Syntax von Berberdialekten aus der Westsahara oder die Aufklärung von Paradoxien des Unendlichen. Ähnlich fremd ist mir das Wesen der Kfz-Technik.Natürlich habe ich mit der Zeit meine Fertigkeit im Umgang mit dem durchweg sehr Interpretationsfreudigen Werkstattpersonal verbessert. Zum Beispiel gebe ich heute nicht mehr gefährliche Sätze von mir wie: »Kann es sein, dass da was tropft?« Oder: »Ich glaube, da quietscht was.«, wenn ich nicht möchte, dass mein Auto drei Tage später als Portfolio des hiesigen Ersatzteillagers missbraucht wird.

Wenn ich einen Metzger betrete, um 100 Gramm Mortadella zu erwerben, verlasse ich das Geschäft schließlich auch nur selten mit zwei Hammelkeulen und einem Glas Schweinesülze. Besuche ich aber eine Werkstatt wegen eines defekten Scheibenwischers, darf ich mich über frische Bremsbeläge, einen neuen Keilriemen, zwei ausgetauschte Zündkerzen und einer generalüberholten Airbag-Steuereinheit freuen. Immer. Für Fachleute und Frauen ist es das „IKEA-Phenomen“. Für mich ist es einfach nur teuer. Jamba Sparabos gibt es da nämlich nicht. Schließlich ist das ein Naturgesetz. Wie die einzelne Socke in der Waschtrommel.

Zugegeben, auf den ersten Blick hat eine Socke recht wenig mit meinem Auto zu tun. Fahren kann sie nicht, Geräusche machen will sie meistens auch nicht und wenn sie kaputt geht, kann ich sie selbst flicken. Aus der Sicht eines Patchwork-Sockenträgers erkennt man aber, dass das Ende einer Sockenkarriere eine beängstigende Übereinkunft mit den Machenschaften in Werkstätten hat. »Eine ganze Zahl gehört zu den ungeraden Zahlen, wenn sie nicht – ohne Rest – durch 2 teilbar ist«, klugscheißert das Lexikon. Geht aber viel einfacher: Socken werden in einer geraden Anzahl in die Waschmaschine geschmissen, eine ungerade Zahl kommt wieder heraus. Nicht einmal Skally und Mulder haben sich bisher heran gewagt dieses übernatürliche Phenomen zu entschlüsseln. Und das, obwohl die Geschehnisse in einer Strumpffressenden Waschmaschine mindestens ebenso mysteriös sind, wie Autoteile, die kollektiv genau an dem Tag ihren Geist aufgeben, an dem Sie zu ihrem Ursprungsort zurückkehren: Der Werkstatt.

Warum wundere ich mich also überhaupt noch, dass auch mein aktuellster Besuch in einem Unternehmen dieser Gattung, wieder mit einer Rechnung von über 1000 € zu Buche schlug? Ich wollte doch nur einen rechten Außenspiegel! Stückpreis 211€. Selbst trotz meiner unterdurchschnittlichen mathematischen Intelligenz verstehe ich, dass das knappe 800 Münzen weniger sind. Den Rest können Sie sich genauso denken, wie ich, bevor ich die Rechnung überhaupt im Detail beliebäugelt hatte. Richtig. Hammelkeulen und Schweinesülze.

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