Flashback 08/08
Was war eigentlich Heute vor 50 Jahren? Jeder wird sich schonmal eine ähnliche Frage gestellt haben. Wir haben für euch dicke Bücher gewelzt, im Internet gesurft und bärtige Professoren gefragt: Was war eigentlich los, im August, vor 50 Jahren?
Politik und Weltgeschehen September 1958
Am 18. August 1939, zwei Wochen vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, wurden Hebammen, Geburtshelfer und Ärzte mit einem Erlass aufgefordert, behinderte Neugeborene zu melden – dies galt rückwirkend auch für Kinder bis zu drei Jahren. Die Euthanasie begann nach Kriegsbeginn mit der Ermordung dieser Kinder. Die Bezeichnungen „Kinderfachabteilung“ sollte bewusst den wahren Zweck der Einrichtungen vertuschen. Die Totenscheine bescheinigten eine natürliche Todesursache. Die Zahl der zwischen 1939 und 1945 ermordeten Kinder wird auf mindestens 5.000 geschätzt.
Wissenschaft und Technik
Schaut einfach mal aus dem Fenster. Ich sagte aus dem Fenster gucken! Ihr werdet mit Sicherheit irgendwo in eurer Nähe merkwürdige blächerne Gerüste sehen, die mit schwarzen Gummibändern verbunden sind. Ihr kennt sie unter dem Namen Strommast. Der Physiker Stephen Gray nannte sie im Juli 1729 Freileitung und hat damit für eine Revolution gesorgt. Heute gilt diese Möglichkeit der Stromübertragung als allgegenwärtig und ist absoluter Standard.
Zumindest zum deutschen Standard gehörte ab August 1933 auch der sogenannte Volksempfänger. WIr würden heute dazu Radio sagen. Adolf Hitler und Reichs-Propagandaminister Göbbels tauften das neuartige Gerät aber nicht umsonst auf diesen Bedeutungsschwangeren Namen. Der Volksempfänger sollte es auch den armen Bevölkerungsschichten ermöglichen, Rundfunk zu hören und so für die nationalsozialistische Propaganda erreichbar zu sein. Die Herstellerfirmen waren ursprünglich sehr skeptisch, da sie befürchteten, der Absatz der bisher verkauften, mindestens doppelt so teuren Markenempfangsgeräte würde stark zurückgehen. Diese Befürchtungen bewahrheiteten sich jedoch nicht.
Schon auf der Funkausstellung 1933 wurden die ersten 100.000 Geräte verkauft. Insgesamt wurden in den verschiedenen Varianten mehrere Millionen Exemplare der Volksempfänger verkauft. Signifikante Zunahmen der Hörerzahlen waren 1937 als Ergebnis intensiver Hörerwerbung durch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und ab 1939 zu verzeichnen. In letzterem Fall spielte vor allem eine Rolle, dass die deutsche Bevölkerung bei Kriegsausbruch einen besonderen „Nachrichtenhunger“ entwickelte, den man am besten mittels des Radios stillen zu können glaubte. Ein weiterer wichtiger Aspekt der NS-Rund-funkpolitik war jedoch, dass durch die massenhafte Verbreitung des Mediums „Rundfunk“ mit Hilfe der kostengünstigen „Volks-“ bzw. „Deutschen Kleinempfänger“ auch die Zahl der gebührenzahlenden Rundfunkhörer im Reich sukzessive stieg.
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