EM kickt eh nicht richtig! 08/08
Eine Woche Italien. Eine Woche im Land des verdienten, aber natürlich traditionell ungerecht von Schiedsrichtern und Funktionären verfolgten Nicht-Europameisters. Außerdem, liebe Italiener: Lieber Dritter, als Petze! Ich stellte mich also nicht nur auf einen schönen, von Sommer, Sonne und Stringbikinis gezeichneten Urlaub am Strand nebst Meeresrauschen ein, sondern auch auf eine getrübte Halbmaststimmung und Kinder, die statt Fußball irgendeinen anderen, hoffentlich leisen, Sport betrieben. Synchronschwimmen, Halma… oderso.
Im Hotel angekommen schlüpfte ich dementsprechend nach kurzer Erholungspause in mein „Im Viertelfinale ist Schluss“ T-Shirt. Man muss den Einheimischen schließlich gleich zu verstehen gegen, dass sie es hier mit einem Vizeeuropameister zu tun haben. Zu demonstrieren war das natürlich am Besten beim morgendlichen Fußballturnier. Keine weiteren Fragen diesbezüglich bitte. Aber hey, ich war schließlich hier um Urlaub zu machen, nicht um mich in Löwscher Manier mit höschster Dischziplin in körperliche Hochform zu trainieren. Ich bin zwar schlank. Noch. Das heißt aber nicht, dass ich Sport mag. Oder Bewegung an sich. Ich bin sozusagen eher Faul. Insbesondere wenn es um Urlaub geht. Außerdem lebe ich in einer Gesellschaft, in der man bereits dann als sportlich gilt, wenn man sich über etwaige Sportereignisse informiert zeigt. Und das ist nun wirklich nicht schwer. Selbst mein bester Freund, das Nutellaglas, ruft mir mit Fußballaufdrucken und einem strahlenden Kevin Kuranyi ein „Ey du bewegungsresistenter Kalorienfrühstücker mach den Fernseher an…is EM!“ entgegen.
Recht hat das Glas, nun gibt es ja nicht umsonst die Möglichkeit, anderen Leuten beim sporteln zuzuschauen, entweder im echten Leben oder – bequemer und damit für mich ideal – vor der Schattenscheibe. Da kann man dann Frauen in kurzen Röckchen dabei zusehen, wie sie laut stöhnend über einen linierten Platz hechten und sich dabei mit beeindruckender Aggressivität und durchlöcherten Bratpfannen einen leidensfähigen Ball zuspielen. Oder man kann unglaublich große Männer dabei beobachten, wie sie in einer kleinen Halle einen riesigen Lederball vor sich her prellen. Vielleicht findet man auch eine ganze Herde von Leuten auf einem riesigen Rasen interessant, die wie geistesgestört hinter einem unschuldigen Lederball hinterhersprinten, immer bestrebt, diesen sowohl in ihren Besitz zu bringen, als auch ihn mit aller Wucht und einem Gesichtsausdruck, den ich mir nur bei akuter Opstipation (Verstopfung) zutraue, in Richtung zweier bemitleidenswerter Männekens zu pfeffern. Die sind aus unerfindlichen Gründen die Einzigen, die das Spielgerät einfach in die Hand nehmen. Was ja eigentlich das Logischste wäre, wenn man etwas Bestimmtes damit vor hat.
Und schon wären wir wieder beim Fußball und damit unweigerlich beim Nutellaglas – und der EM. Die ist jetzt (endlich) vorbei und sein wir ehrlich: Wahrlich Europa- oder Vizeeuropameisterlich war das nun wirklich nicht, was unsere Adlerkicker da gezeigt haben. Aber hey, EM kickt eh nicht richtig. Oder gibt’s dafür etwa Sterne? Eben. Außerdem kommen bald schon die Olympischen Spiele. Und überall diese lustigen Ringe. Und Nutellagläser in Form eines tibetischen Mönches im Schneidersitz und Handschellen?
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