Die CD 07/08
Was ist das denn? Noch eine neue Rubrik diesen Monat? Genau lieber Leser. Denn wir haben mit Bedauern das Ergebnis der aktuellen Studie zu deutschlands Bildungsstandard zur Kenntnis genommen. Mit diesem Fakt im Hinterkopf haben wir uns überlegt euch ab sofort (also quasi ab jetzt) Geschichten über wichtige Gegenstände aus dem täglichen Leben zu erzählen. Denn oftmals sind die Dinge hinter den Dingen äußerst unterhaltsam und kurios. Oder hättet ihr gedacht, dass es die CD nur gibt, weil ein Geschäftsführer und Hobbysänger Ludwig van Beethovens Neunte Sinfonie in voller länge ohne lästiges Tonbandwechseln anhören wollte? Siehste, deswegen gibt es eben noch eine neue Rubrik in censored.
Naja okay, ganz so einfach lässt sich die Herkunft unserer mitlerweile äußerst populären und noch dazu hübsch bunt glänzenden Silberscheibe dann auch wieder nicht erklären. In den 1970er Jahren exper-imentierten Techniker vieler Elektronikkonzerne mit digitaler Audio-Aufzeichnung. Die ersten Prototypen basierten auf magnetischen Speichermedien, wie etwa der klassischen Audiokassette. Das erste Gerät auf dem Markt war im Jahr 1977 eine Erweiterung des Betamax-Videorekorders der Firma Sony um einem AnalogDigital- bzw. Digital-Analog-Wandler (PCM-Modulator bzw. -Demodulator). Sony entwickelte spezielle Verfahren, um die Störgeräusche zu eliminieren. Um diese Verfahren zu testen, wurden heimlich bei einer Probe eines Konzertes von Herbert von Karajan im September 1978 Aufnahmen gemacht. Karajan wurde später von Sony eingeladen, die Aufnahmen zu beurteilen. Zur gleichen Zeit arbeitete man bei der Firma Philips an der optischen Aufzeichnung von Bildsignalen, die die Videotechnik revolutionieren sollte. Bald entwickelte sich die Idee, diese Technologie auch für digitale Klänge zu nutzen. Beide Firmen standen plötzlich vor einem Problem. Sie hatten die neuen optischen Datenträger (LaserDisc), ähnlich der Schallplatte, mit einem Durchmesser von 30 cm geplant. Bei der Aufzeichnung von bewegten Bildern konnten sie darauf etwa 30 Minuten Videomaterial unterbringen. Bei Audiodaten reichte aber die Kapazität für 13 Stunden und 20 Minuten. Sony war klar, dass das Geschäftsmodell der Musikindustrie zusammenbrechen würde, wenn sie solche Mengen an Musik an die Verbraucher vermarkten sollte. Nachdem die Compact Cassette (Audiokassette) 1963 von der Firma Philips allein entwickelt worden war, versuchten beide Firmen hier, einen gemeinsamen Standard herbeizuführen. Der für die Spieldauer entscheidende Durchmesser der CD wurde durch die Philips-Führung folgendermaßen begründet: Die Compact Cassette war ein großer Erfolg, die CD sollte nicht viel größer sein. Die Compact Cassette hatte eine Diagonale von 11,5 cm, die Ingenieure machten die CD 0,5 cm größer. Es ranken sich allerlei moderne Legenden um die Festlegung dieser Parameter; eine der schönsten und populärsten ist folgende (Womit wir wieder bei Ludwig van Beethoven wären):
Nach einigen Differenzen schlug Sony vor, dass die neue CD zumindest Ludwig van Beethovens Neunte Sinfonie in voller Länge erfassen sollte. Dieser Vorschlag hing mit Sonys damaligem Vizepräsidenten Norio Ohga zusammen, der ein ausgebildeter Opernsänger war und sich schon immer wünschte, Beethovens Neunte ohne störendes Wechseln des Tonträgers hören zu können. Ohgas Lieblingsversion, dirigiert von Herbert von Karajan, dauert 66 Minuten, die Techniker hielten sich an die damals längste zur Verfügung stehende Version von Wilhelm Furtwängler. Die Aufnahme aus dem Jahre 1951 dauert exakt 74 Minuten. 74 Minuten bedeuteten 12 cm Durchmesser des optischen Datenträgers. Die Entwickler von Philips reagierten mit Skepsis, da eine so große Scheibe nicht in die Anzugtaschen passen würde. Daraufhin maßen Sony-Entwickler Anzüge aus aller Welt aus, mit dem Ergebnis, dass für 12cm überall Platz ist. Damit hatte Beethoven einen neuen Standard festgelegt.
1980 wurde von Philips und Sony für Audioaufnahmen der „Red Book“-Standard festgelegt. Der Durchmesser des Innenloches der CD (15 mm) wurde eher durch Zufall durch die niederländischen Philips-Entwickler bestimmt. Als Maßstab diente hierfür das im übrigen seinerzeit weltweit kleinste Geldstück, das niederländische 10-Cent-Stück (das so genannte „Dubbeltje“), das ein Entwickler bei der Festlegung des Durchmessers dabei hatte. Auf der Funkausstellung 1981 in Berlin wurde die CD erstmals öffentlich vorgestellt. Im Jahr darauf, am 17. August 1982, begann in Langenhagen bei Hannover, in den Produktionsstätten der damaligen Polygram, die weltweit erste industrielle Produktion des letzten ABBA-Albums The Visitors, und zwar noch bevor am 1. Oktober 1982 der erste in Serie produzierte CD-Spieler auf dem Markt angeboten werden konnte. 1988 wurden weltweit bereits 100 Millionen Audio-CDs produziert. Ab 1988 gab es Systeme mit denen CD gebrannt werden konnten (und nicht wie dahin gepresst werden mussten).
Bei einer CD werden Daten mit Hilfe einer von innen nach außen laufenden Spiralspur gespeichert (also umgekehrt wie bei der Schallplatte). Die Spiralspur besteht aus Pits (Gruben) und Lands (Flächen), die auf dem Polycarbonat aufgebracht sind. Die Pits haben eine Länge von 0,833 bis 3,054 µm (1 µm=10-6m = 1Millionstel Meter) und eine Breite von 0,5 µm. Die Spiralspur hat etwa eine Länge von 6 Kilometern. Je nachdem, wie die CD erstellt wird, entstehen die Pits. Bei der industriellen Herstellung werden ein Glas-Master und ein Stamper (Negativ) gefertigt. Anschließend wird damit in Presswerken eine Polycarbo-natscheibe geprägt und die Reflexions- und Schutzschicht angefügt. Eine CD besteht demnach zum größten Teil aus Polycarbonat. Die Reflexionsschicht darüber besteht aus einem Aluminiumfilm. Das Laserlicht wird an den Lands einfach reflektiert, jedoch tritt an den Pits Auslöschung durch destruktive Interferenz auf. Dabei werden biniarisierte Daten ausgelesen. Zwischen dem Aufdruck und der Aluminiumschicht (Dicke der Reflexionsschicht: 50–100 nm) befindet sich noch eine Schutzschicht, die dazu da ist, das Aluminium vor äußeren Einflüssen zu schützen. Als Abschluss kommt dann noch der Aufdruck, der mit dem Siebdruckverfahren (bis zu 6 Farben) aufgebracht wird. Alternativ kann auch das Offsetdruckverfahren eingesetzt werden.
Joa da ham` wirs doch! Also hatte unser lieber Herr Beethoven am Ende doch weniger mit der CD zu tun, als gedacht. Wie dem auch sei, ich lehne mich jetzt erstmal zurück und lausche zu den Klängen einer nicht zu unterschätzenden Rockband auf einer dieser Silberscheiben.
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