Vom Froschkönig und der globalisierten Bratwurst 05/08
Och wie possierlich der kleine Mann da drüben vor dem Zeitschriftenregal auf und ab hüpft. Ich weiß, man darf sich ja in der heute sooooo politisch korrekten Zeit nicht über derartige, natur- und selbstverständlich auch gottgegebene Dinge lustig machen. Deswegen handelt diese Kolumne auch nicht in erster Linie von der Kleinwüchsigkeit dieses Düsseldorfer Mannes. Lustig wars aber trotzdem – basta! Jedenfalls beobachtete ich ihn eine Weile, unfreiwillig an einen Laubfrosch denkend, und verzehrte derweil fröhlich eine Bratwurst und fühlte mich von dem unfreiwillig komischen Schauspiel noch dazu angenehm unterhalten, als sich plötzlich seine 1,30 Meter auf mich zuzubewegen begannen.
»Entschuldigen Sie bitte«, fragt mich der kleine Mann freundlich, »könnten Sie mir vielleicht helfen an eine Zeitschrift zu gelangen?« Ganz automatisch entgegnete ich ihm ein freundliches »natürlich« und machte mich großen Schrittes – … – ich begab mich zu eben dem Zeitungsständer, an dem der Herr noch vor kurzem wie ein wonniges Glücksbärchi hin- und her gehüpft war. »Das Manager Magazin bitte.«. Weder konnte ich es verhindern, noch hatte ich es meinem Hirn befohlen meine Denkwindungen sekundenschnell mit Wortwitzen zu fluten, die ich aus Gründen der eben bereits zitierten political correctness zwanghaft grinsend versuchte für mich zu behalten. Ein Biss in die immernoch leckere Bratwurst half mir enorm dabei.
Anstelle von »Da möchte aber Einer hoch hinaus«, oder »Gar kein Problem, ich hole nur schnell die Karriereleiter.« entschied ich mich also senfbefleckt für das klassische und unverfängliche »Gerne« als Antwort. Wer weiß, vielleicht war das ja auch ein Test von irgendwem, der mich gerade in diesem Moment kritisch beobachtete. Vielleicht von Gott? Amnesty International? Oder war es gar LIDL? Vielleicht bedeutete diese putzige Begebenheit auch etwas völlig Anderes. Möglicherweise symbolisierte der kleine sympatische Düsseldorfer die deutsche Wirtschaft in ihrem ständigen Auf-und Ab. Das »Manager Magazin« könnte dabei die Politik sein, oder die Globalisierung, oder Vanilleeis. Passend wäre es ja. So ein Wirtschaftswandel geht ja in der heutigen Zeit der digitalen Informationsübertragung schneller, als man ein Eis oder eine lecker fettige Bratwurst genügsam verzehren kann. Im Moment ist nun einmal wieder Aufschwung, bald ist auch schon wieder Abschwung, und kaum hat man sich an die Melancholie gewöhnt ist plötzlich wieder Aufschwung und ab und auf und ab und…
Einige philosophische Gedanken später reiche ich dem kleingewachsenen Herren dann hilfsbereit und nett guckend sein Manager Magazin und wünsche ihm, freundlich wie ich bin, noch viel Erfolg auf seinen beruflichen Werdegang. Völlig ohne Hintergedangen und Augenzwinkern. Ehrlich. Zumindest bis ich mir überlegte, ob er nicht vielleicht irgendwann über sich hinaus wachsen könnte. Ha ha. Entschuldigung. Zurück auf meiner Bank mit meiner Bratwurst, die der Wirtschaft bestimmt auch irgendwas gebracht hat, einer eigenen Ausgabe des Manager Magazins und einem kleinen schlechten Gewissen für meine automatisierten Wortwitze wurde mir klar, dass ich diesen Herren von nun an für immer als den Düsseldorfer Froschkönig in Erinnerung behalten würde. Vielleicht küsst ihn ja mal wer und es wächst ein…aaaargh SCHLUSS!
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